Vandalismus in Hambühren – HAZ Online Artikel vom 1.10.2016

Zerkratzte Autos, gestohlene Kennzeichen, Brandstiftungen an Carports und Fahrzeugen: Eine Vandalismus-Serie mit mehr als 150 Fällen hält seit Jahresbeginn die Bewohner von Hambühren (Kreis Celle) in Atem. Als Hauptverdächtige gilt eine 18-Jährige, die zumindest bei einigen der Fälle erwischt worden ist.

nachgereichtWeil aber die junge Frau dennoch auf freiem Fuß ist, wächst die Wut bei den Anwohnern. Sie fühlen sich nicht ausreichend geschützt und machen den Behörden Vorwürfe. Doch die sehen keine Möglichkeit für ein härteres Durchgreifen.

Etwa zum Jahreswechsel begann die Serie. Zuerst waren nur gelegentlich Kennzeichen von Autos abgeschraubt und neben das Fahrzeug gelegt worden. Später verschwanden die Nummernschilder, dann wurden Autos zerkratzt. „Jetzt sprechen wir über Brände“, sagt der Hambührener Landtagsabgeordnete Thomas Adasch (CDU). In den vergangenen Wochen sind unter anderem ein Kleinbus und ein Schuppen nachts in Flammen aufgegangen. Wer das Feuer gelegt hat, ist nicht erwiesen. Aber das Mädchen sei in der Nähe des Tatorts gesehen worden, heißt es. Und vielen im Ort gilt sie als Hauptverdächtige, da sie sich einen Ruf als notorische Serientäterin erworben hat. Mittlerweile haben sich in Hambühren Bürgerstreifen gebildet, die nachts auf Patrouille in den Siedlungen gehen, um weitere Straftaten zu verhindern.

Tatsächlich läuft bereits ein Verfahren gegen die junge Frau, die erst im September 18 Jahre alt geworden ist. Im Mai wurde gegen sie von der Staatsanwaltschaft Anklage erhoben wegen fünf Kennzeichendiebstählen, zwei Sachbeschädigungen und fünf Widerstandshandlungen gegen Polizisten. Seit Juni ruht der Prozess aber, weil zunächst ein psychologisches Gutachten angefordert wurde, in dem die Schuldfähigkeit der jungen Frau festgestellt werden soll. Und währenddessen sitzt sie nicht in Haft.

„Keiner versteht, warum sie nicht aus dem Verkehr gezogen wird“, sagt Adasch. „Alle leben in Angst hier.“ Eine Stimmung, die auch der parteilose Bürgermeister des Orts, Thomas Herbst, mitbekommt: Es habe Anfragen an die Gemeinde Hambühren gegeben, wann denn endlich etwas passieren würde, berichtet er. „Aber wir können nichts tun. Wir sind komplett außen vor.“ Die Ängste im Ort machten ihm Sorge, er könne sie aber verstehen, räumt Herbst ein. „Auch ich hadere ein wenig mit der Justiz“, sagt er. Es sei unverständlich, warum die junge Frau nicht gestoppt und zur Rechenschaft gezogen werde.

Der Direktor des Amtsgerichts Celle, Dieter Philipp Klass, seufzt. „Die Kritik ärgert mich, weil sie nicht zutrifft“, sagt er. Das Verfahren dauere nicht unnormal lang. „In der Strafprozessordnung müssen wir Fristen und rechtliches Gehör berücksichtigen, das kostet Zeit.“ Er glaubt, dass das Gutachten spätestens Ende Oktober vorliegt und die Hauptverhandlung zeitnah eröffnet wird.

Auch das Jugendamt im Kreis Celle wehrt sich gegen den Vorwurf, man habe den Fall zu zögerlich angefasst. Man habe alle zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft, versichert ein Sprecher des Landkreises. Konkrete Details zum Fall wollte er nicht nennen, verwies aber auf die grundsätzlichen Möglichkeiten. Demnach kann das Jugendamt Hausbesuche in den betroffenen Familien machen und insbesondere die betroffenen Eltern einbinden. Das funktioniere aber nur, wenn die Erziehungsberechtigten kooperationsbereit seien. Der Fall hat mittlerweile auch die Landesregierung erreicht: Adasch hat Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz einen Brief geschrieben mit der Bitte, das Verfahren zu beschleunigen. Die Antwort steht allerdings noch aus. (Wurde inzwischen veröffentlicht)

Artikel vom Samstag, 01.10.2016

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