Hambühren: Es ist kurz nach Mitternacht

Es ist kurz nach Mitternacht, der sternenklare Himmel sorgt für eine frische Nacht. Auch Sabine Meyer und ihr Mann Matthias (Namen von der Redaktion geändert) würden sich da gerne ins warme Bett kuscheln und schlafen, doch sie haben in dieser Nacht Dienst. Gemeinsam mit ihrem Hund Alf gehen sie verschiedene Straßen in Hambühren ab. Sie gehören zu etwa 30 Hambührenern, die sich in einer Bürgerstreife organisiert haben.

HAMBÜHREN. „Wir gehen Streife, damit nichts mehr passiert“, sagt Sabine Meyer, „und wenn doch, können wir sofort einen Notruf absetzen.“ Seit Monaten handelt sich das ganze Leben der beiden sowie der Nachbarn nur noch um eins: die Vandalismus- und Brandserie in Hambühren. „Es gibt kein anderes Thema mehr“, sagt Meyer resignierend, „wir haben Angst, dass wieder etwas passiert.“

So wie Ende Juli, als die beiden durch Sirenen aus dem Schlaf gerissen wurden. Neben einer Brandruine in der Nachbarschaft stand ein Spielhaus in Flammen. In den folgenden Wochen folgten weitere Brände – ein Gartenhaus, eine Garage und mehrere Autos wurden zerstört. Die Polizei geht in allen Fällen von Brandstiftung aus.

Die Brandanschläge – der letzte Anfang September – waren der bisherige Tiefpunkt der Serie, die die Hambührener Bevölkerung schon seit Monaten in Atem hält. Begonnen mit Kennzeichendiebstählen im vergangenen Winter steigerte sich der Vandalismus immer weiter. Zunächst wurden Autos zerkratzt, dann Reifen zerstochen und zuletzt kam es zu schweren Brandstiftungen. Eine 18-jährige Schülerin soll hinter den Taten stecken, von denen rund 150 bisher angezeigt wurden. Angeklagt wurden bisher allerdings „nur“ zwölf Straftaten – fünf Fälle von Sachbeschädigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie zwei weitere Sachbeschädigungen.

„Wir haben die junge Frau nachts schon getroffen“, erzählt Sabine Meyer, die ein- bis zweimal pro Woche die nächtliche Streife übernimmt. Teilweise werde sie bei ihren Spaziergängen von der Polizei „begleitet“, teilweise sei sie allein unterwegs. Wenn sie aus einem der vielen Stichwege in dem Wohngebiet östlich der Ostlandstraße rauskommt, zeige sie keine Panik. „Sie bewegt sich ganz normal und zeigt eine große Selbstsicherheit“, erzählt Matthias Meyer, „mit Verdächtigungen und Vermutungen sollte man aber ohnehin vorsichtig sein.“

Denn bisher konnte die Polizei der Schülerin die Taten nicht nachweisen. „Die Ermittlungen laufen nach wie vor“, sagt der Celler Polizeisprecher Thorsten Wallheinke, der bestätigt, dass die Polizeipräsenz in den betreffen Straßen deutlich erhöht wurde. Möglicherweise ist das der Grund, dass es zuletzt zu keinen weiteren Vorfällen gekommen ist.

Und weil Bürger in verschiedenen Schichten Streife gehen. „Wir sind keine Bürgerwehr“, betont Sabine Meyer, während ihr Mann mit der Taschenlampe in einen Stichweg leuchtet. „Durch unsere Aktivität wollen wir ein bisschen Sicherheitsgefühl herstellen“, sagt er. Wie lange das so gehen soll, weiß er nicht. „Auf das Verfahren haben wir ja keinen Einfluss – und die dunkle Jahreszeit kommt ja erst noch …“

Seine Frau fühlt sich vor allem vom Hambührener Bürgermeister im Stich gelassen. „Er hat keinen Einfluss auf das Verfahren, aber ein Gefühl der Unterstützung, einen moralischen Beistand, würde man sich wünschen“, sagt die Frau, als sie und ihr Mann nach zwei Stunden Dienst von zwei Nachbarn abgelöst wird. Zum Schlafen bleiben den beiden heute Nacht gute drei Stunden, dann klingelt der Wecker und Sabine und Matthias Meyer müssen zur Arbeit.

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 06.10.2016 um 16:52 Uhr

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