Neue Kinderarzt-Regelung jetzt ab September

Ab September gelten neue Regelungen für den Besuch beim Kinderarzt: Mit dem Inkrafttreten des neuen Programms für die Früherkennungsuntersuchungen (U1 bis U9) wird auch das vollständig überarbeitete gelbe Untersuchungsheft eingeführt. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe rechnet mit einer deutlichen Verbesserung der kinderärztlichen Vorsorge: „Das gelbe Kinderuntersuchungsheft gehört in Deutschland mittlerweile wie der erste Zahn und die ersten Gehversuche zur Kindheit dazu“, sagte der CDU-Politiker. „Mit dem neuen Kinderuntersuchungsprogramm gehen wir einen wichtigen Schritt zur weiteren Verbesserung der Gesundheit unserer Kinder.“ Die neuen gelben Hefte stünden ab dem 1. September zur Verfügung.

Künftig sollen neue Regeln für die Früherkennungsuntersuchungen bei Kindern bis Ende des 6. Lebensjahres gelten – also für die U1 bis U9. Kinderärzte und Krankenkassen haben sie im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erstellt. Auch das gelbe Untersuchungsheft wurde vollständig überarbeitet. Es wird ab 1. September 2016 für Neugeborene bei der Geburt ausgegeben. Für sie ist beispielsweise ein neues Mukoviszidose-Screening vorgesehen. Ab wann niedergelassene Ärzte die neuen Untersuchungen durchführen müssen, steht allerdings noch nicht fest – spätestens aber ab 1. März 2017.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, er rechne mit einer deutlichen Verbesserung der kinderärztlichen Vorsorge. Dabei stellte er heraus, dass die Beratung zum Impfschutz künftig verbindlicher Bestandteil der U-Untersuchungen sei.

Neue Teilnahmekarte zur Vorlage bei der Kita

Neu im Gelben Heft ist eine Teilnahmekarte, auf der die Untersuchungen bestätigt werden. „Mit ihr erhalten die Eltern eine Möglichkeit, beispielsweise gegenüber Kindergärten nachzuweisen, dass die Früherkennungsuntersuchungen wahrgenommen wurden, ohne dabei die vertraulichen Informationen zu Entwicklungsständen und ärztlichen Befunden des Kindes weiterzugeben“, erläutert Dr. Harald Deisler, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses Methodenbewertung.

Vorsorgeuntersuchungen umfassen intensivere Seh- und Hörtests

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) weist zudem auf verbesserte Untersuchungen zur Entwicklung der Sprache, der Fein- und Grobmotorik sowie der Sehleistung hin. „Mit dem sogenannten Brückner-Test sollen jetzt zum Beispiel ab der U4 frühzeitig Kinder mit Sehschwierigkeiten erfasst werden“, sagt Dr. Roland Ulmer, Kinder- und Jugendarzt in Lauf und Vizepräsident des BVKJ. Bei der U2 und U3 prüft der Arzt bereits, ob eine Trübung der Augenlinse vorliegt. „Außerdem wird es einen speziellen apparativen Hörtest bei der U8 geben.“ Eine Farbkarte zum Stuhlgang soll helfen, seltene angeborene Lebererkrankungen zu erkennen, auf die ein sehr heller Stuhl hindeutet.

Arzt hat Entwicklung besser im Blick

Desweiteren beobachtet der Arzt verstärkt das Verhalten des Kindes, um dessen Entwicklung besser im Blick zu haben. Er verfügt nun über genaue Angaben dazu, welche sprachlichen oder motorischen Fähigkeiten Kinder in einem bestimmten Alter normalerweise haben. Außerdem dokumentiert er die Interaktion der Eltern mit dem Kind. „Er sieht sich zum Beispiel an, wie Mutter oder Vater das Kind beruhigt“, sagt Ulmer. Haben Eltern im Umgang mit ihrem Kind Schwierigkeiten, kann der Arzt frühzeitig unterstützen. Zum Beispiel informiert er über regionale Hilfsangebote.

Beratung zu alltäglichen Fragen

Bei jeder Vorsorgeuntersuchung berät der Kinder- und Jugendarzt die Eltern künftig, was sie zu Hause beachten sollten – anfangs zum Stillen oder zur Vitamin-D-Gabe, später zur richtigen Mundhygiene oder zur Ernährung. „Das alles wird deutlich länger dauern als früher“, sagt Ulmer. Wie die Ärzte vergütet werden, steht allerdings noch nicht fest. Sie haben ab 1. September ein halbes Jahr lang Zeit, sich mit den Krankenkassen zu einigen. Erst sobald die Vergütung beschlossen ist, müssen die Ärzte die neuen Untersuchungen durchführen.

Ältere Babys erhalten zusätzliches gelbes Heft

Für die gelben Hefte, die noch im Umlauf sind, gilt: Bei Kindern im ersten Lebensjahr – also bis zur U6 – nutzen Ärzte bei der nächsten anstehenden Früherkennungsuntersuchung das neue Untersuchungsheft. Kinder erhalten es zusätzlich zum bisher verwendeten Heft, die Daten werden nicht übertragen. Solange die Vergütung der neuen Untersuchungen noch nicht geklärt ist, wird es in den Praxen allerdings nur soweit bearbeitet, wie in der alten Version üblich. Ab der U7 dokumentiert die Ärztin oder der Arzt die Ergebnisse auf Teilnahmekarten und Einlegeblättern, die in das vorhandene Heft eingeklebt werden.

Der G-BA hatte den Auftrag zu überprüfen, ob das 1971 eingeführte und mehrmals erweiterte Früherkennungsprogramm für Kinder noch dem aktuellen wissenschaftlichen Stand entspricht. Infolgedessen wurde das Programm bereits in den Vorjahren um Leistungen wie das Neugeborenen-Hörscreening ergänzt. Für Kinder im Alter von drei Jahren wurde eine zusätzliche Untersuchung, die U7a, eingeführt. Jetzt haben Ärzte und Kassen die Kinder-Richtlinie bis zur U9 komplett überarbeitet und neu strukturiert.

http://www.baby-und-familie.de/gesundheit/Gelbes-Untersuchungsheft-erneuert-523497.html

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Aktuelles veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s