Anwohner in Hambühren gehen nachts auf Streife

Es passiert immer nachts: In Hambühren werden Kennzeichen abmontiert, der Lack wird zerkratzt. Eine Jugendliche soll die Täterin sein. Doch der Nachweis ist schwierig.  Quelle: NDR Niedersachsen

Erst fehlten Kennzeichen, dann war plötzlich immer wieder der Lack zerkratzt. In Hambühren im Kreis Celle beschäftigen sich die Einwohner seit Monaten mit einer Serie von Sachbeschädigungen an geparkten Autos. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln, möglicherweise kommt es bald auch zu einem Prozess. Verantwortlich sein soll ein 17-jähriges Mädchen aus Hambühren. Die Jugendliche steht unter Verdacht, Nacht für Nacht aufs Neue loszuziehen und sich an den Autos der Anwohner in der Umgebung zu schaffen zu machen.

Anwohner gehen nachts auf Streife

Einige Anwohner in den betroffenen Straßenzügen haben inzwischen eine Art Bürgerwehr gegründet. Sie gehen regelmäßig auf Streife, auch, um weitere Taten zu verhindern. Viele Anwohner seien stinksauer, sagt einer der Mitstreiter, der seinen Namen lieber nicht öffentlich machen möchte. Erst seien in Hambühren nur immer wieder Kennzeichen abgeschraubt und direkt weggeschmissen worden, irgendwann fehlten sie ganz. Seit einigen Wochen würden jetzt auch immer wieder Autos zerkratzt, sagt der Mann. Manchmal sähen die Kratzer wie gemalt aus. Sie seien außerdem so tief, dass der Schaden nicht einfach mit einem Lackstift ausgebessert werden könne. Fast jeden Morgen stehe im Moment jemand anderes in Hambühren vor seinem Fahrzeug und einem Schaden, den die Versicherungen in der Regel nicht übernehmen. Die Rede ist inzwischen von rund 80 Sachbeschädigungen und Kennzeichendiebstählen, nicht immer folgte eine Anzeige. Manch einen Anwohner hat es auch schon zum zweiten Mal erwischt. Der Gesamtschaden wird inzwischen auf mehrere Zehntausend Euro geschätzt.

Ist Jugendliche die Täterin?

Verantwortlich sein für die Schäden soll eine 17-Jährige, da sind sich die Anwohner und Mitglieder der Bürgerwehr sicher. Sie haben sie selbst schon auf frischer Tat erwischt, berichten sie. Die Polizei habe das Mädchen auch schon mal festgenommen, sie habe sich gewehrt. Am Ende sei sie dann wieder freigelassen worden. Die Taten liefen immer nach dem gleichen Muster ab. Es sei immer Nacht, es sei immer ein bestimmtes Gebiet, es seien immer die gleichen Taten. Möglicherweise sei das Ganze auch zwanghaft, heißt es von der Bürgerwehr. Der Vater des Mädchens bestreite, dass sie die Täterin sei.

Fehlende Tatnachweise

Auch die Staatsanwaltschaft hat sich schon mit Dutzenden Sachbeschädigungen an Autos in Hambühren in den vergangenen Monaten beschäftigt. Die Problematik ist bei den Behörden bekannt. Doch gleichzeitig ist die Sachlage schwierig. „In knapp 50 Fällen wurden die Verfahren eingestellt, weil schlichtweg der Nachweis zur Täterin fehlte“, sagt die stellvertretende Direktorin des Amtsgerichts Celle, Karin Rätzlaff. Es gab weder Zeugen, noch konnten Fingerabdrücke gesichert werden, noch legte das Mädchen etwa ein Geständnis ab. Man müsse deshalb auch aufpassen, dass niemand für etwas verurteilt werde, das er gar nicht begangen habe, ergänzt Rätzlaff. Und sie sagt auch: Nur weil jemand einmal oder auch mehrfach etwas Unrechtes tut, hieße das ja nicht, dass er oder sie es immer war. Denkbar sei schließlich auch, dass es Trittbrettfahrer gebe.

Mädchen muss möglicherweise vor Gericht

Doch zu einem Prozess gegen das Mädchen könnte es nun trotzdem kommen. Denn in einigen – wenigen – Fällen haben die Ermittler offenbar den erforderlichen Nachweis. Es geht um eine Handvoll Kennzeichen-Diebstähle, zwei Sachbeschädigungen und in mehreren Fällen auch um Widerstand gegen Polizeibeamte. Die zuständige Richterin prüfe gerade das weitere Vorgehen, heißt es vom Amtsgericht. Möglicherweise werde noch ein Gutachten zur Schuldfähigkeit der 17-Jährigen eingeholt. Es sei gerade bei jugendlichen Straffälligen wichtig, dass es zügig zu einem Verfahren komme, erklärt Rätzlaff. Die Strafe müsse sozusagen auf dem Fuß folgen. Das sei Prinzip des Jugendstrafrechts.

Vorerst keine Entspannung der Lage

Doch mindestens bis zu einem Prozess und einem Urteil leben die Hambührener weiter in Angst. Hannelore Borchert wohnt in dem betroffenen Bereich. Auch ihr Auto wurde schon zerkratzt. Die 58-Jährige stellt sich die Frage: Was kommt vielleicht noch? Zerstochene Reifen etwa oder gar brennende Autos? Das Mädchen sei auf der Suche nach einem Kick, sagt sie. Vielleicht sei alles aber auch nur ein Hilfeschrei der Jugendlichen. Für ein mögliches Urteil macht Borchert sich wenig Hoffnung. „Vielleicht bekommt sie dann ein paar Sozialstunden aufgebrummt und das war es“, sagt sie.

Polizei vs. Bürgerwehr

Die 17-Jährige ist unterdessen weiter auf freiem Fuß. Auch in den vergangenen Nächten soll es in Hambühren erneut Sachbeschädigungen gegeben haben, sagen die Mitglieder der Bürgerwehr. Die Polizei fährt Streife, so viel es geht. Die Bürgerpatrouille hat sie allerdings auch im Blick. Es sei gut, wenn Bürger aufmerksam sind und Auffälligkeiten der Polizei melden, erklärt Polizeisprecher Guido Koch. Selbstjustiz hingegen sei auf keinen Fall hinnehmbar.

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