Anlieger, die bereits einen Straßenausbaubeitragbescheid bekommen haben

Liebe Mitglieder und Freunde, dieser Newsletter richtet sich besonders an solche Anlieger, die bereits einen Straßenausbaubeitragbescheid bekommen haben. Diese können ggf. Steuern in Höhe 1200 Euro sparen. Die Steuersparmöglichkeit dürfte sich jedoch auch auf andere ähnliche Abgaben wie Abwasser usw. beziehen. Lesen Sie dazu die folgenden beiden Beiträge: 

Steueranrechnung für Handwerkerleistungen bei Ausbau einer Gemeindestraße

Sind Sie Eigentümer einer Immobilie, die sie selbst bewohnen, kann es passieren, dass die Gemeinde Sie an den Kosten des Ausbaus einer Gemeindestraße finanziell beteiligt. Das ist mehr als ärgerlich. Nun können Sie den Spieß jedoch wieder umdrehen und das Finanzamt an diesen Ausbaukosten beteiligen. Das funktioniert mit einem Antrag auf eine Steueranrechnung für Handwerkerleistungen.

Grundsatz zur Steueranrechnung für Handwerkerleistungen

Damit das Finanzamt für Handwerkerleistungen 20%, maximal bis zu 1.200 Euro pro Jahr, auf Ihre persönliche Einkommensteuerschuld anrechnet, ist eine der vielen Voraussetzungen, dass die Leistung „in“ Ihrem Haushalt stattgefunden haben muss. Ist das nicht der Fall, zieren sich die Sachbearbeiter in den Finanzämtern und setzen bei der Steueranrechnung für Handwerkerleistungen den Rotstift an.

Tipp: Doch die Richter des Finanzgerichts Nürnberg haben nun ein steuerzahlerfreundliches Urteil gefällt. „Im“ Haushalt bedeutet nicht, dass der Handwerker physisch im Haushalt eines Steuerzahlers arbeiten muss. Es genügt vielmehr, dass ein funktionaler Zusammenhang zwischen der Handwerkerleistungen und dem Haushalt gegeben sein muss (FG Nürnberg, Urteil v. 24.6.2015, Az. 7 K 1356/14).

Praxis-Beispiel für Steueranrechnung

Die Ehepartner Frank und Sarah sind Eigentümer eines Einfamilienhauses, das sie mit ihren beiden Kindern bewohnen. Ihre persönliche Steuerschuld beträgt 12.000 Euro. Die beiden werden von der Gemeinde dazu verdonnert, sich mit 6.000 Euro an dem Ausbau einer Gemeindestraße zu beteiligen, die nahe ihres Eigenheims verläuft. Frage: Steht den beiden eine Steueranrechnung für Handwerkerleistungen zu?

  So rechnen Frank und Sarah So rechneten die Finanzämter bisher
Steuerschuld vor Anrechnung 12.000 Euro 12.000 Euro
Steueranrechnung für Handwerkerleistungen -1.200 Euro 0 Euro
Steuerschuld nach Anrechnung 10.800 Euro 12.000 Euro
Begründung FG Nürnberg, Urteil v. 24.6.2015, Az. 7 K 1356/14 Handwerkerleistungen fanden nicht „im“ Haushalt statt

 

So sollten Sie als Eigenheimbesitzer vorgehen, um zu Ihrem Recht zu kommen

Die Finanzämter werden den Hinweis auf das Finanzgericht Nürnberg mit dem Argument abschmettern, dass das unterlegene Finanzamt die Revision beim Bundesfinanzhof beantragt hat. Und solange der Bundesfinanzhof kein Machtwort gesprochen hat, wird auch keine Steueranrechnung für Handwerkerleistungen gewährt. In diesem Fall empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Gegen einen nachteiligen Einkommensteuerbescheid sollten Sie Einspruch einlegen.
  • Weisen Sie den Sachbearbeiter im Finanzamt in Ihrer Einspruchsbegründung darauf hin, dass das Finanzamt die Revision beim BFH (Az. VI R 45/15) zwischenzeitlich zurückgezogen hat.
  • Das Urteil des Finanzgerichts Nürnberg ist also rechtskräftig und deshalb in allen vergleichbaren Fällen anzuwenden.
  • Weigert sich das Finanzamt trotz dieser Argumentation, die Steueranrechnung für Handwerkerleistungen zu gewähren, bitten Sie darum, das neue Infoschreiben des Bundesfinanzministeriums abzuwarten, das Anfang 2016 veröffentlicht werden soll. In diesem Schreiben muss das BMF Stellung zu diesem Urteil beziehen.

Steueranrechnung für Handwerkerleistungen für 2016 bereits heute geltend machen

Entstehen Ihnen die Ausgaben für den Ausbau einer Gemeindestraße erst im Jahr 2016, können Sie das Finanzamt dennoch sofort an diesen Kosten beteiligen. Das funktioniert, wenn Sie Arbeitnehmer sind, durch Beantragung eines Lohnsteuerfreibetrags 2016 im Lohnsteuerermäßigungsverfahren. Den Lohnsteuerfreibetrag 2016 aufgrund der Steueranrechnung für Handwerkerleistungen wird folgendermaßen ermittelt:

Ermitteln Sie die (voraussichtliche) Steueranrechnung und multiplizieren Sie diese mit 4. Das Ergebnis ist der Freibetrag 2016, den Ihr Arbeitgeber bei Ermittlung der Lohnsteuer berücksichtigen muss. Durch den Lohnsteuerfreibetrag mindert sich Ihre Steuerbelastung auf den Arbeitslohn. Durch winkt ein höheres Nettogehalt.

Beispiel: Sie müssen im Januar 2016 für den Ausbau einer Gemeindestraße 6.000 Euro bezahlen. Die Steueranrechnung würde 1.200 Euro betragen (6.000 Euro x 20%). Im Lohnsteuerermäßigungsverfahren können Sie dafür einen Lohnsteuerfreibetrag von 4.800 Euro beantragen (1.200 Euro x 4).

Veröffentlicht von

Berhard Köstler

Quelle: Deutsche Handwerkerzeitung:

Recht + Steuern – 04.11.2015

Steuer aktuell Handwerkerbonus: Was beim Ausbau der Gemeindestraße gilt

Werden Eigentümer von Immobilien von der Gemeinde dazu verdonnert, sich finanziell am Ausbau einer Gemeindestraße zu beteiligen, kann das richtig teuer werden. Ob man das Finanzamt an den Kosten beteiligen kann, entscheidet sich nun in einem Musterprozess beim Bundesfinanzhof.

© dhz

Müssen sich Immobilieneigentümer finanziell am Ausbau einer Gemeindestraße beteiligen, kann das richtig teuer werden. Da wäre es für Eigenheimbesitzer natürlich praktisch, wenn man auch das Finanzamt an den Kosten beteiligen könnte.

Die Steueranrechnung für Handwerkerleistungen erhalten Eigentümer von Immobilien nur, wenn ein Handwerker im Privathaushalt Arbeiten verrichtet. Die Steueranrechnung beträgt 20 Prozent der abgerechneten Arbeitsleistung, maximal 1.200 Euro pro Jahr (§ 35a Abs. 3 EStG). Doch wie sieht es in Sachen Handwerkerbonus aus, wenn ein Eigenheimbesitzer sich an den Kosten für den Ausbau einer Gemeindestraße beteiligen soll?

Zwei Urteile, eine Pattsituation und ein Musterprozess

Es gibt mittlerweile zwei unterschiedliche Urteile zu diesem Thema. In Urteil eins verweigern die Richter die Steueranrechnung, weil die Gemeinstraße sich außerhalb der Grundstückgrenzen befindet und damit keine Ausgaben für Handwerkerleistungen im Haushalt gegeben sind (FG Berlin-Brandenburg, Urteil v. 15.4.2015, Az. 11 K 11018/15). In Urteil zwei sprachen die Richter dem Eigenheimbesitzer die Steueranrechnung zu, weil die Gemeindestraße vor dem Grundstück in einem räumlich-funktionalen Zusammenhang mit dem Haushalt liegt (FG Nürnberg, Urteil v. 24.6.2015, Az. 7 K 1356/14).

Tipp: Die Finanzämter werden das Urteil des Finanzgerichts Nürnberg vorerst nicht anwenden. Um sich die Chance auf die Steueranrechnung zu wahren, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Beantragen Sie für Zahlungen zur Sanierung einer Gemeindestraße eine Steueranrechnung in Ihrer Einkommensteuererklärung.
  • Lehnt das Finanzamt die Steueranrechnung ab, legen Sie Einspruch gegen den betreffenden Steuerbescheid ein.
  • Beantragen Sie ein Ruhen des Einspruchsverfahrens und weisen Sie auf den Musterprozess beim Bundesfinanzhof zu dieser Thematik hin (BFH, Az. VI R 45/15).
  • Dann heißt es abwarten, wie die Münchner Richter des Bundesfinanzhofs entscheiden. dhz

sind von Strassenausbaubeiträgen betroffen? Alle wichtigen Informationen finden Sie unter  http://verbib.de/;

 

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