ZUM STREIT ZWISCHEN UFO UND DER SPD HAMBÜHREN

ZUM STREIT ZWISCHEN UFO UND DER SPD ÜBER DIE UNTERBRINGUNG MINDERJÄHRIGER FLÜCHTLINGE IN HAMBÜHREN

komMit großem Unbehagen habe ich die Veröffentlichung der UFO und die darauf folgende Stellungnahme der SPD zum Thema minderjähriger Flüchtlinge verfolgt. Der Unterschied zwischen beiden Parteien zu diesem brisanten Thema könnte nicht größer sein.

Und dieser klaffende Unterschied erfüllt mich mit wachsendem Unbehagen und Unruhe.

Die UFO schreibt u.a., dass Flüchtlingskinder, die unbegleitet nach Deutschland kommen, nicht uneingeschränkt­­­ problemfrei zu betreuen, zu versorgen und zu integrieren sind. Meine Interpretation hierzu ist: Es ist eine Mahnung, dass es Probleme und Schwierigkeiten geben  wird, auch in Bezug auf Sicherheit, 50 minderjährige Flüchtlinge zusammen unterzubringen und zusammenzuführen. 

Die SPD widerspricht dem und ist der Auffassung, dass hier bewusst versucht wird, ein Szenario herannahender Gewalt zu zeichnen. Eine Gewalt, die auf Hambühren zukäme mit der Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Ausländern. Ich bin verwirrt, denn es wird gleichzeitig auch von minderjährigen Ausländern, von minderjährigen Flüchtlingen,  unbegleitete minderjährigen Ausländern und traumatisierten Kindern, dann wieder nur von Kindern, Minderjährigen und Jugendlichen gesprochen.

Ich stelle mir die Frage: Wer genau kommt zu uns nach Hambühren? Darüber möchte ich nicht spekulieren, darüber verlange ich eine genaue Auskunft.

Zudem seien die Befürchtungen der UFO aus der Luft gegriffen und nicht belegbar. Diese Informationen kommen übrigens direkt von einem Mitarbeiter in leitender Position bei der Polizeidirektion Hannover. Die Fälle, die von der UFO geschildert werden beschränken sich, wie wir bereits wissen,  nicht nur auf Hamburg und Bremen.

Ferner bestätigt die SPD, dass durch die furchtbaren Erfahrungen die Kinder traumatisiert sind, aber, sie „sind zunächst einmal Kinder.“ Kinder sind nicht dass Problem, das Problem ist das Trauma,  das die Kinder erlitten haben. Vielleicht sind unter ihnen aber auch traumatisierte Jugendliche?

Fest steht, wir alle in Hambühren müssen uns auf ein jahrelanges, mühsames und kostspieliges Unternehmen vorbereiten, um diesen Kindern oder Jugendlichen, traumatisiert oder nicht, zu helfen. Und es wird nicht nur Erfolge geben. Das ist auch für Hambühren vorprogrammiert – auch ohne vorher jedes einzelne tragische Schicksal der Kinder oder Jugendlichen zu kennen und damit vertraut zu sein.

Für mich ist es daher unverantwortlich, wenn von der SPD „ Es mag Situationen geben, in denen es zur Eskalation zwischen den Jugendlichen kommen kann“ geredet wird. Es gibt immer wieder sehr beängstigende und beunruhigende Polizeiberichte, die darf und sollte man nicht ignorieren- wie es hier geschehen ist und es ist weder respektlos noch eine Unterstellung von möglicher Gewaltbereitschaft. Es sind Fakten und eine traurige Wahrheit, die uns hier ins Gesicht blasen – nicht „Panikmache“. Mein gesunder Menschverstand sagt mir, dass Probleme vorprogrammiert sind, wenn 50 Kinder oder Jugendliche zusammen untergebracht werden, ob sie nun traumatisiert sind oder nicht. Es wird sehr schwer werden. Auch ohne alarmierende Polizeiberichte.

Wie die SPD bestätigt, arbeiten ehrenamtliche und hauptamtliche Betreuer manchmal am Rande der Belastbarkeit. Meine Frage an die SPD ist: Wenn heute schon am Rande der Belastbarkeit geholfen wird, wie hoch wird die Belastbarkeit sein, wenn weitere 50, zum Teil traumatisierte und schwer traumatisierte, Kinder dazukommen?  Wird man der großen Verantwortung überhaupt noch gerecht? Wie viele Sicherheitsleute, Sprach- und Kulturmittler, Pädagogen und Sozialarbeiter werden im 24stündigen Rhythmus überhaupt für diese Herkulesaufgabe bereitgestellt?

Die UFO berichtet, dass eine große Mehrheit der Jungendlichen von einem guten Unterstützungssystem profitiert hat. Das ist eine erfreuliche Nachricht. Es gibt jedoch auch immer wieder eine kleine Gruppe von kriminellen Jugendlichen, die  nicht mehr erreichbar sind. Davon wird immer wieder berichtet und daher sollte man nicht so tun, als handele es sich um Bagatellen wie z.B. eventuelle „Eskalationen zwischen Jugendlichen“. Es handelt sich schlicht und einfach um kriminelle Wiederholungstäter.

Es gibt Licht- und Schattenseiten. So wird es auch in Hambühren sein. Da sollten wir uns nichts vormachen.

Der Nährboden für eine negative Einstellung zu den Flüchtlingen und im Besonderen zu den Kindern/Jugendlichen wird nur vorbereitet, wenn wir, die Bürger/innen nicht offen und ehrlich über alle Schritte informiert werden, wie z.B. Sicherheit, Personal etc. Immerhin ist es, wie es scheint, ein sehr umstrittenes und schwieriges Projekt. Und die Folgen für uns als Nachbarn sind weder überschau- noch kalkulierbar. Schönreden von zukünftigen Problemen vertiefen nur unsere Unsicherheit und unsere Ängste. Davon sollte in Zukunft Abstand genommen werden – von allen Parteien.

Inge Müller, Hambühren Feb. 2016

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