Nachdenken über Erinnerungstafel in Hambühren

Nach dem Gedenkmarsch in der vergangenen Woche wird in Hambühren über eine Gedenktafel für die 400 KZ-Insassinnen des Außenlagers „Waldeslust“ nachgedacht. Bürgermeister Thomas Herbst will die Frage des Erinnerns in den Ratsgremien thematisieren.

Quelle: Cellesche Zeitung

OVELGÖNNE. Wo früher die Baracken standen, ist heute der Parkplatz der Gärtnerei Zühlke. 400 KZ-Insassinnen – polnische und ungarische Jüdinnen – waren 1944 im Arbeitslager „Waldeslust“, einem Außenkommando des KZ Bergen-Belsen, in zwei schäbige Baracken gepfercht worden. Über „Waldeslust“ ist heute in Hambühren nicht mehr viel bekannt. Die Baracken stehen längst nicht mehr, eine Gedenktafel gibt es nicht.

Nachdem vergangene Woche Lorna Brunstein, die Tochter einer in „Waldeslust“ Inhaftierten, auf den Spuren ihrer Mutter einen Gedenkmarsch zur Gedenkstätte Bergen-Belsen organisierte, kommt jetzt die Frage des Erinnerns auf die Agenda. Eine Erinnerungstafel oder ein Erinnerungsstein wäre „eine gute Sache“, sagt Ovelgönnes Heimatpflegerin Irmlinde Florian. Sie verweist darauf, dass am früheren Landschulheim der Humboldtschule an der Oldauer Straße ein Gedenkstein errichtet wurde. Dort wird an das Unrecht erinnert, das Zwangsarbeitern zwischen 1942 und 1945 widerfahren ist.

Ralf Zühlke, Chef der Gärtnerei Zühlke, ist einer würdigen Form des Erinnerns auf seinem Grundstück nicht abgeneigt. „Grundsätzlich wäre ich nicht dagegen. Man müsste sich darüber Gedanken machen, in welcher Form das gemacht wird“, sagte er zu einer möglichen Tafel.

Sein Vater Heinz hatte das Nachbargrundstück am Wiesenweg im Dezember 1959 erworben. Damals standen die „Waldeslust“-Baracken noch, Flüchtlinge und Familien wohnten dort, erinnert sich der 79-Jährige. Er schätzt, dass die Baracken noch einige Jahre standen, ehe sie abgerissen wurden. Sein Sohn habe das Grundstück vor eineinhalb Jahren gekauft, das jetzt als Parkplatz der Gärtnerei dient.

Hambührens Bürgermeister Thomas Herbst kündigte an, das Thema im Gemeinderat anzusprechen. „Eine Gedenktafel halte ich für eine gute Idee.“ Das Lager „Waldeslust“ ist ihm aus Erzählungen seiner Urgroßmutter bekannt, sie habe „ab und an“ darüber gesprochen.

Im Februar 1945 war das heute fast in Vergessenheit geratene Lager in Ovelgönne aufgelöst worden. Der Winser Lokalpolitiker Julius Krizsan, der den Gedenkmarsch vergangene Woche unterstützt hat, geht von insgesamt fünf Lagern in Ovelgönne aus, in denen Gefangene, KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter festgehalten wurden – Gründe für eine Erinnerungstafel gäbe es in Hambühren genug.

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