Leserbrief: Es besteht sofortiger Handlungsbedarf !

Den nachstehenden Leserbrief hat Herr Gläser, Beauftragter für Umwelt und Verkehr des Blindenverbandes Niedersachsen, an die Cellesche Zeitung geschickt. Letztere hat den Brief nicht zur Veröffentlichung angenommen.

Die Stellungnahmen und Begutachtungen zur Hambührener Ostlandstraße, aber vor allem die Reaktion der Verantwortlichen werden allmählich zur traurigen Farce.

image003Schon im Planungsstadium wies der Beauftragte des SoVD u.a. auf die viel zu schmalen Gehwege hin, die keiner Richtlinie entsprachen. Trotzdem wurden die Gehwege viel zu schmal gebaut. Während der Baumaßnahme stellte ich als Vertreter der regionalen und bundesweiten Verkehrsausschüsse der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe gravierende Mängel bei den offenbar nachträglich eingeplanten Bodenindikatoren fest, die blinde Personen, statt zu sichern, direkt in den Fahrverkehr leiten. Ich machte seinerzeit die Gemeinde auf ihre Verkehrssicherungspflicht aufmerksam und beantragte, die betreffenden Stellen entsprechend umzubauen oder abzusichern. Kurze Zeit später wurde ich von der Gemeinde von allen weiteren Beratungen ausgeschlossen. Man wandte sich nun an den Leiter der Arbeitsgruppen der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe, der aber dieselben Mängel und dieselben Konsequenzen konstatierte.

Um ganz sicher zu sein, wurde von der Blindenstudienanstalt Marburg eine Stellungnahme angefordert. Nach ausgiebiger Begehung des Bereichs stellte die Mitarbeiterin der BliStA, die auch Mobilitätstrainer ausbildet, fest, dass durch die falsch verlegten Bodenindikatoren zum Teil Lebensgefahr für blinde und sehbehinderte Menschen besteht. Nachdem dies der Gemeinde immer noch nicht Anlass zum Handeln gab, wurde eine diplomierte Straßenplanerin beim Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen, die u.a. auch der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) angehört und an Veröffentlichungen zur Barrierefreiheit im Straßenverkehr mitgearbeitet hat, zu einer Stellungnahme beauftragt. Auf 23 Seiten erläutert diese Stellungnahme sehr detailliert, die Mängel und die Möglichkeiten der Behebung. Diese Stellungnahme wurde von einem der renommiertesten deutschen Verkehrssicherheitsexperten mit unterzeichnet.

Aber nun ist auch das für die Verantwortlichen in Hambühren immer noch kein Anlass zum Handeln. Man will einen Gutachter beauftragen, als wären die bisherigen Stellungnahmen alle von Deppen verfasst. Ich fürchte, man sucht jemanden, der – wie auch immer – das alles problemlos findet und durchwinkt, damit endlich Ruhe ist.
Seit nunmehr zwei Jahren werden blinde und sehbehinderte Anrainer der Ostlandstraße, von denen der Bauamtsleiter nicht müde wird, zu behaupten, dass es sie in Hambühren nicht gibt, der Gefahr an Leib und Leben ausgesetzt, wenn sie sich an denen extra für sie eingebauten Bodenindikatoren orientieren. Direkt neben der Ostlandstraße wohnt der Pressesprecher der Interessensgemeinschaft sehbehinderter und blinde Computerbenutzer (ISCB), der häufig von blinden Personen aufgesucht wird. Seit fast zwei Jahren können mobil eingeschränkte Personen aller Art ihre Häuser nur mit großen Schwierigkeiten erreichen…

Sucht man jetzt einen Gutachter, der das alles als absolut richtig befindet?

Es besteht sofortiger Handlungsbedarf!

Werner Gläser
Wittbecker Straße 9
29229 Celle
Beauftragter für Umwelt u. Verkehr beim BVN

 

Kommentar zu vorstehendem Leserbrief

Ein weiterer Gutachter kann auch nur die offensichtlich vorhandenen Mängel bestätigen. Ich vermute, die Gemeinde will nur deshalb einen weiteren Gutachter einschalten, um die Schuldfrage zu ermitteln, um zu klären wer für die Fehler verantwortlich ist und wer für deren Behebung zur Kasse gebeten werden kann.

Die entstehenden Kosten kann die Gemeinde nicht auf die Anlieger abwälzen.

Egon Kiehne 

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